Tipps zum Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit

Recherchetipps

Recherchestrategie entwickeln

1. Was suchen Sie?

Nachdem Sie Ihr Thema festgelegt und einen Zeitplan erstellt haben, beginnen Sie mit der Vorbereitung Ihrer Recherche.

Schritt 1:

Analysieren Sie, welche Aspekte Ihr Thema beinhaltet und schreiben Sie diese Begriffe in eine Tabelle.

Das Beispielthema Frühförderung bei Legasthenie in der Primarstufe lässt sich in drei Teilaspekte zergliedern:

 

Begriff 1

Begriff 2

Begriff 3

Aspekte

Frühförderung

Legasthenie

Primarstufe

Schritt 2:

Suchen Sie nach Synonymen, Ober-, Unter- und verwandten Begriffen und erweitern Sie Ihre Tabelle zu einer Wortliste.

Der Computer sucht nur nach Buchstabenfolgen, nicht nach Bedeutungen. Es ist daher notwendig, die einzelnen Aspekte Ihres Themas um weitere Suchbegriffe zu ergänzen. Das können Synonyme, Ober- und Unterbegriffe und verwandte Begriffe sein. Als Einstiegshilfe und zur Abgrenzung des Themas nutzen Sie Lexika, Wörterbücher, Thesauri und bereits bekannte Arbeiten.

Die zentralen Begriffe, die Sie bei der Eingliederung Ihres Themas in das Fachgebiet analysiert haben, ordnen Sie nun in Ihrer Tabelle untereinander dem jeweiligen Aspekt zu

 

Begriff 1

Begriff 2

Begriff 3

Oberbegriff

 

Lernbehinderung, Lernstörung

 

Aspekte

Frühförderung

Legasthenie

Primarstufe

Synonyme

 

Lese- Rechtschreibschwäche, ~störung, ~schwierigkeit

 

Unterbegriffe

 

Rechtschreibschwäche, Lesestörung

 

Verwandte Begriffe

Förderunterricht

   

Tipps zur Wortliste

  • Listen Sie nur aussagekräftige Begriffe auf. Welche Kernbegriffe kennzeichnen Ihr Thema?
  • Listen Sie Synonyme nicht als separate Aspekte auf.
  • Listen Sie nicht alle denkbaren Synonyme auf, das könnte Ihre Recherche aufblähen.
  • Bedenken Sie andere/frühere Schreibweisen.
  • Lösen Sie Abkürzungen auf.
  • Singular- und Pluralformen können Sie durch Trunkierung einbeziehen.
  • Manche Begriffe sind relativ, beispielsweise "große Klassen". Nutzen Sie erst die anderen Begriffe aus Ihrer Wortliste und sichten Sie Ihre Zwischenergebnisse im Hinblick darauf, ob Sie den relativen durch einen eindeutigen Begriff ersetzen können.

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2. Was brauchen Sie?


Durch die Analyse Ihres Themas (1. Was suchen Sie?) haben Sie Ihr Suchfeld abgesteckt. Bevor Sie nun in geeigneten Suchinstrumenten und in fachbezogenen Datenbanken recherchieren, überlegen Sie sich, welche Art Material und wie viele Quellen aus welchem Zeitraum Sie brauchen.

Reichen Ihnen fünf bis zehn wirklich gute Literaturstellen oder soll Ihre Suche so vollständig wie möglich sein?

Elektronische Suchinstrumente sind hilfreich bei sehr speziellen Fragestellungen. Haben Sie ein breit angelegtes Thema, müssen Sie sich entscheiden, ob Sie alles zu diesem Sachgebiet benötigen, oder ob Sie nach Beiträgen suchen, die Ihnen einen Überblick verschaffen. Diese Entscheidung bestimmt die Wahl der Rechercheinstrumente: Für eine vollständige Recherche reicht die Suche in den Katalogen Ihrer Hochschulbibliothek nicht aus. Gegebenenfalls müssen Sie mehrere Fach- und Spezialdatenbanken aus verschiedenen Sprachbereichen durchsuchen und dürfen auch gedruckte Bibliographien nicht außer Acht lassen.
Auch auf die Wahl Ihrer Suchbegriffe wirkt sich diese Vorüberlegung aus, indem Sie z.B. Unterbegriffe einbeziehen oder nicht. Eine Recherche bleibt eine Gratwanderung zwischen Zu-Viel- und Zu-Wenig-Finden.
Als Faustregel gilt: Wenn alle Suchergebnisse exakt das gewünschte Thema treffen, enthält die durchsuchte Datenbank sicherlich noch Literaturnachweise, die Sie nicht "erwischt" haben. Umgekehrt: Je näher Sie an eine vollständige Suche herankommen, desto mehr Informationsballast müssen Sie in Kauf nehmen.

Welchen Zeitraum soll Ihre Recherche abdecken?

Wie weit zurück soll Ihre Recherche reichen? Ab wann könnte Literatur veröffentlicht worden sein, die für Sie relevant ist?
Achten Sie bei der Wahl Ihrer Rechercheinstrumente darauf, ab welchem Erscheinungsjahr darin Publikationen verzeichnet sind. Greifen Sie ggf. auch auf gedruckte Bibliographien zurück, insbesondere bei historisch angelegten Themen.

Um tagesaktuelle Informationen zu bekommen, nutzen Sie Pressedatenbanken und Suchmaschinen.

Welche Publikationsarten benötigen Sie, um Ihr Thema zu bearbeiten?

Die Antwort auf diese Frage bestimmt mit, welche Recherchedatenbanken Sie wählen (3. Wo suchen Sie?) , denn verschiedene Publikationsarten erfordern unterschiedliche Suchwege!

Welche Publikationsarten gibt es?

1. Selbstständig erschienene Literatur

  • Verfasserschriften (Monographien) und Sammelwerke: Sach- und Fachbücher, Lehrbücher, Handbücher. Sie verschaffen Ihnen am ehesten einen Überblick zum Thema, können allerdings durch ihren langen Entstehungsweg nicht so aktuell sein.
  • Hochschulschriften: Dissertationen, Habilitationen, Diplomarbeiten. Sie halten Forschungsergebnisse fest. Hier können Sie detaillierte Informationen zu Forschungsarbeiten und deren Veröffentlichung nach wissenschaftlichen Standards erwarten. Diplomarbeiten sind allerdings i.d.R. schwer zu beschaffen, da sie als Prüfungsunterlagen gelten und nicht als Veröffentlichung.
  • Reports, d.h. auf einfache Weise vervielfältigte Arbeits- und Rechenschaftsberichte von Forschungsprojekten, zeichnen sich durch besonders hohe Aktualität aus.
  • Periodika: Zeitschriften, Jahrbücher, Zeitungen.

2. Unselbstständig erschienene Literatur

  • Aufsätze aus Zeitschriften, Sammelwerken, Festschriften, Kongressberichten. Zeitschriftenaufsätze und Kongressschriften geben Ihnen aktuelle Informationen.
  • Artikel aus Zeitungen versorgen Sie mit tagesaktuellen Informationen. Nutzen Sie ergänzend Suchmaschinen im Internet.

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3. Wo suchen Sie?

Überlegen Sie, welchen Zeitraum Ihre Recherche abdecken soll und wie umfangreich Sie die Suche gestalten (2. Was brauchen Sie?). Je nachdem, welche Art von Literatur Sie benötigen, recherchieren Sie mit unterschiedlichen Suchinstrumenten:

Bücher, Sammelwerke, Dissertationen,...

Discovery, Katalog, GVK , Datenbanken

Aufsätze, Artikel (unselbstständig erschienene Literatur)

Discovery, Online Contents und Datenbanken

elektronische Volltexte

Discovery, Online Contents und Datenbanken

Fragen, die klären helfen, ob eine Recherchedatenbank für Ihre Zwecke geeignet ist

Was beinhaltet die Datenbank?

  • Welche Publikationsarten wurden für die Datenbank ausgewertet?
  • Handelt es sich um eine Volltext- oder eine Referenzdatenbank?
  • Werden nur Publikationen aus einer bestimmten Region berücksichtigt 

Wie ist die Datenbank aufgebaut?

  • Wird eine erweiterte Suche oder eine Expertensuche (expanded/advanced search) angeboten? Komplexe Suchabfragen sind häufig nur in einem solchen Modus möglich.
  • Welche Suchfelder sind in der Datenbank abfragbar?
  • Welche Register bzw. Indices sind vorhanden?

 Welche Suchbegriffe werden verwendet?

  • Gibt es eine "Suche über alle Felder"?
  • Ist eine Suche mit Schlagwörtern oder Thesaurusbegriffen möglich?
  • Müssen Sie Ihre Suchbegriffe ins Englische oder eine andere Sprache übersetzen?

Welche Suchlogik / welche Syntax wird verwendet?

  • Welche Trunkierungen sind möglich?
  • Welche Trunkierungs- bzw. Maskierungszeichen werden verwendet?
  • Welche Operatoren werden verwendet?
  • Ist eine Eingrenzung mit Nachbarschaftsoperatoren möglich?
  • Kann man Suchbegriffe, die direkt nebeneinander stehen, als Phrase kennzeichnen?

 

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4. Wie suchen Sie?

Verknüpfen Sie die Suchbegriffe aus Ihrer Wortliste mit Hilfe von Operatoren.

Mit Hilfe von Booleschen Operatoren können Sie Ihre Suchbegriffe sinnvoll kombinieren. Gehen Sie in zwei Schritten vor:

  1. Zunächst verknüpfen Sie alle Begriffe, die in Ihrer Wortliste in einer Spalte untereinander stehen, mit dem Operator ODER. Trunkieren Sie gegebenenfalls. Sie erhalten mehrere (in unserem Beispiel drei) Treffermengen, die recht groß sein können.
  2. Im zweiten Schritt verknüpfen Sie diese Zwischenergebnisse mit dem Operator UND.

Nutzen Sie Trunkierung und Phrasensuche.

Operatoren

AND

     

OR

 

Begriff 1

Begriff 2

Begriff 3

 

Oberbegriffe

 

Lernbehinderung, Lernstörung

 
 

Aspekte

Frühförderung

Legasthenie

Primarstufe

 

Synonyme

 

Lese-Rechtschreibschwäche, ~ störung, ~ schwierigkeit

 
 

Unterbegriffe

 

Rechtschreibschwäche, Lesestörung

 
 

verwandte Begriffe

Förderunterricht

   

Begriff 1

AND

Begriff 2

AND

Begriff3

   

Lernbehinderung

   

Frühförderung

 

OR

 

Primarstufe

OR

 

Lernstörung

 

OR

Förderunterricht

 

OR

 

Grundschule

   

Legasthenie

   
   

OR

   
   

Lese-Rechtschreibschwäche

   
   

OR

   
   

Lese-Rechtschreibstörung

   
   

OR

   
   

Lese-Rechtschreibschwierigkeit

   
   

OR

   
   

Rechtschreibsschwäche

   
   

OR

   
   

Lesestörung

   
Recherchebeispiel 02
Recherchebeispiel 01

Grundsätzlich sind Schlagwörter zur sachlichen Suche besser geeignet als Stichwörter, denn sie stammen aus einem kontrollierten Vokabular zur Beschreibung des Inhalts von Dokumenten. Zur Ermittlung der verwendeten Schlagwörter können Fachthesauri hilfreich sein.
Um Ihre Suchergebnisse zu ergänzen, sollten Sie aber auch die Stichwortsuche nicht außer Acht lassen, insbesondere wenn Sie bisher zu wenig gefunden haben.
Bietet die Recherchedatenbank Ihnen eine sogenannte Freitextsuche, werden dabei i.d.R. Schlagwörter und Stichwörter gleichzeitig berücksichtigt.

Werten Sie relevante Treffer im Hinblick auf weitere Suchbegriffe aus.

Wenn Sie in der Recherchedatenbank einen Literaturhinweis gefunden haben, von dem Sie vermuten, dass er genau zu Ihrem Thema passt, dann schauen Sie sich die Eintragung im Hinblick auf die Schlagwörter noch einmal an.
Welche Schlagwörter sind für dieses Dokument ausgewählt worden? Sind Begriffe dabei, die Sie bisher noch gar nicht berücksichtigt haben, die aber von Bedeutung sein könnten? Ergänzen Sie Ihre Wortliste entsprechend und probieren Sie neue Suchkombinationen aus.
Werten Sie die Literaturverzeichnisse der gefundenen Publikationen aus.

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5. Treffer sichten & Suche anpassen

Meist ist eine Literaturrecherche ein Balanceakt zwischen zu vielen und zu wenigen Treffern. Prüfen Sie deshalb Ihre Treffermengen kritisch: Wie relevant sind die einzelnen Treffer? Wie vollständig ist die Trefferliste?

  • Wenn alle Treffer relevant sind, wurden wahrscheinlich viele Titel durch die gewählte Suchstrategie nicht erfasst.
  • Je vollständiger die Suche erfolgt, desto mehr irrelevante Treffer gibt es.

Was tun, wenn Sie zu wenig Literatur ermittelt haben?

  • Prüfen Sie die Suchanfrage formal: Achten Sie auf Tippfehler, die richtige Verwendung von Operatoren und die Nutzung der korrekten Suchfelder.
  • Überprüfen Sie Ihre Wortliste: Haben Sie in ausreichendem Maße Synonyme, Ober-, Unter- und verwandte Begriffe berücksichtigt? (1. Was suchen Sie?)
  • Finden Sie zusätzliche Begriffe im Schlagwortindex oder im Thesaurus?
  • Haben Sie schon ein paar Quellen gefunden, von denen Sie vermuten, dass sie Ihr Thema genau behandeln? Welche Schlagwörter wurden für diese Dokumente vergeben?
  • Nutzen Sie die Möglichkeiten des Trunkierens.
  • Suchen Sie in weiteren Datenbanken bzw. Bibliographien, ggf. auch in gedruckten Verzeichnissen. (3. Wo suchen Sie?)
  • Nutzen Sie Webportale und Suchmaschinen.
  • Fragen Sie die fachlichen Ansprechpartner in Ihrer Bibliothek.
  • Berücksichtigen Sie für umfangreiche Recherchen spezielle Publikationsarten, wie Hochschulschriften, Reports, Kongressschriften etc. (2. Was brauchen Sie?) und wählen Sie die entsprechenden Recherchedatenbanken. (3. Wo suchen Sie?)
  • Für umfangreiche Recherchen (etwa für die Examensarbeit) nutzen Sie auch das Angebot der überregionalen Literaturversorgung durch Sondersammelgebietsbibliotheken, Zentrale Fachbibliotheken und Spezialbibliotheken über Webis.

Was tun, wenn Sie zu viel Literatur ermittelt haben?

  • Versuchen Sie, Ihr Thema exakter abzugrenzen (1. Was suchen Sie?) . Beschränken Sie sich ggf. auf einen thematischen Aspekt.
  • Stehen Ihnen zu Ihrem Fachgebiet eine Reihe von Recherchedatenbanken zur Verfügung, versuchen Sie herauszufinden, welche die wichtigsten sind. Fragen Sie ggf. die Informationsabteilung bzw. den Fachreferenten Ihrer Hochschulbibliothek.
  • Welche Suchbegriffe haben die Dokumente, die nicht zu Ihrem Thema passen, gemeinsam? Verwenden Sie den Operator NICHT, um unpassendes Material auszuschließen.
  • Nutzen Sie die Phrasensuche, um einzelne Wörter direkt nebeneinander stehend zu finden, z. B. „environmental policy“.

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Literatur beschaffen

Literatur finden Sie in der und über die Universitätsbibliothek. In Discovery und im Katalog sind die Bestände der Universitätsbibliothek erfasst. Im Datenbank-Infosystem finden Sie freie und lizenzierte Datenbanken. Über diese werden Sie zu elektronischen Volltexten auf den Verlagsseiten weitergeleitet, falls diese lizenziert sind.

 Für die Nutzung elektronischer Volltexte ist es notwendig, mit dem Universitätsnetz verbunden zu sein.

Wenn Sie Materialien aus der Universitätsbibliothek nicht mitnehmen dürfen, können Sie diese den Bestimmungen des Urheberrechtes entsprechend kopieren, scannen und drucken. Informationen, welche Bücher Sie mitnehmen können, haben wir auf der Seite Ausleihen zusammengestellt. Sollten Inhalte für Sie nicht zugänglich sein, gibt es gegebenenfalls die Möglichkeit, über Fernleihe an die gewünschte Literatur zu gelangen. Sie können uns auch einen Anschaffungsvorschlag unterbreiten.

eine Auswahl an Literatur für das wissenschaftliche Arbeiten

Bestimmungen der Universität Rostock